
Die falsche Passform
Warum fällt es uns so leicht zu akzeptieren, dass ein Schuh nicht passt?
Wenn er drückt, Blasen verursacht und uns das Gehen erschwert, ziehen wir ihn aus.
Wir zweifeln nicht an unserem Fuß. Wir verbringen keine Jahre damit, den Schuh zu verstehen. Wir akzeptieren einfach, dass er nicht passt.
Bei Menschen machen wir oft das Gegenteil.
Wir suchen den Fehler bei uns. Fragen uns, was uns fehlt. Was wir hätten anders machen müssen, damit die Verbindung funktioniert.
Statt anzuerkennen, dass nicht jede Begegnung die richtige Passform hat.
Nicht jeder Mensch ist für jeden Menschen gemacht. Das ist keine Abwertung. Es ist einfach eine Tatsache.
Das Ego liebt ungelöste Aufgaben
Doch unser Verstand gibt sich selten mit dieser einfachen Wahrheit zufrieden.
Er fragt: Warum nicht ich? Was fehlt mir? Was müsste ich ändern, damit ich gewählt werde?
Und plötzlich geht es nicht mehr um die Beziehung. Es geht um Bestätigung.
Das Ego liebt ungelöste Aufgaben. Es möchte herausfinden, ob es gut genug ist. Liebenswert genug. Besonders genug.
Deshalb fühlen sich unerreichbare Menschen manchmal bedeutsamer an, als sie tatsächlich sind. Nicht unbedingt, weil sie die große Liebe sind. Sondern weil sie zur großen Prüfung geworden sind.
Wir verfolgen nicht mehr die Liebe.
Wir verfolgen die Bestätigung.
Gewollt werden versus geliebt werden
Es gibt einen Unterschied, über den wir selten sprechen.
Viele Menschen wünschen sich, gewählt zu werden. Dass jemand auf sie zukommt und sagt: Ich will dich.
Dieser Wunsch ist zutiefst menschlich.
Doch die wichtigere Frage lautet vielleicht:
Möchte ich überhaupt dort sein, wo ich nicht selbstverständlich gewollt bin?
Wer möchte die Hoffnung sein? Der Kompromiss? Die Option?
Gewollt zu werden ist keine Nebensache. Es ist die Grundlage.
Nicht überredet. Nicht erkämpft. Nicht verdient.
Sondern gewollt.
Warum wir festhalten
Ich habe Jahre damit verbracht, an Dingen festzuhalten, die nie wirklich zu mir gepasst haben.
Nicht weil sie richtig waren. Sondern weil das Loslassen Angst gemacht hat.
Angst vor dem Unbekannten. Angst vor der Leere danach. Angst vor dem Gedanken, dass vielleicht nichts Besseres kommt.
Doch rückblickend war das Festhalten oft keine Liebe.
Es war der Versuch, Sicherheit in etwas zu finden, das mir nie wirklich Sicherheit geben konnte.
Solange etwas unerreichbar, kompliziert oder unklar bleibt, muss man sich nicht vollständig zeigen. Man muss nicht herausfinden, ob man angenommen wird. Ob man bleiben darf.
Man bleibt beschäftigt mit der Hoffnung.
Die größte Selbsttäuschung
Nicht alles, was wir lieben, ist für uns bestimmt.
Das ist schwer zu akzeptieren, weil wir gelernt haben, dass Liebe alles überwinden sollte.
Aber Liebe und Passung sind nicht dasselbe.
Man kann jemanden lieben und trotzdem erkennen, dass ein gemeinsamer Weg nicht funktioniert.
Beides kann gleichzeitig wahr sein.
Fehlende Passung macht die Liebe nicht unecht.
Sie macht sie nur nicht tragfähig.
Was ich mir für dich wünsche
Ich wünsche mir, dass mehr Menschen erkennen, dass ihr Wert nicht davon abhängt, von einer bestimmten Person gewählt zu werden.
Dass sie aufhören, sich kleiner zu machen, um irgendwo hineinzupassen.
Dass sie aufhören zu warten, zu kämpfen und sich zu beweisen, in der Hoffnung, endlich gesehen zu werden.
Du musst dich nicht verbiegen, um geliebt zu werden.
Du musst dich nicht beweisen, um wertvoll zu sein.
Und du musst nicht um einen Platz kämpfen, der sich nie wirklich nach deinem angefühlt hat.
Und am Ende
Das Ende einer Verbindung ist nicht immer ein Verlust.
Manchmal ist es der Moment, in dem du aufhörst, dich in etwas hineinzuzwängen, das nie wirklich zu dir gepasst hat.
Manchmal entsteht genau dort Raum.
Raum für Menschen, bei denen du nicht rätseln musst.
Raum für Beziehungen, die nicht von Unsicherheit leben.
Raum für ein Miteinander, in dem Zuneigung nicht bewiesen werden muss, weil sie spürbar ist.
Nicht alles, was geht, nimmt etwas mit.
Manches hinterlässt Platz für das, was bleiben will.
