
Es gibt diesen einen Moment.
Nicht leise.
Den,
in dem du am Boden sitzt
und keine Luft bekommst.
Die Tränen laufen einfach.
Und dieser Schmerz
drückt deine Brust zusammen,
als läge dein Herz
in einer fremden Hand,
die zudrückt
und sagt:
Ich bestimme.
Und du weißt:
Ich habe mich verloren.
Nicht ein bisschen.
Komplett.
Und genau da beginnt etwas.
Nicht ruhig.
Nicht sanft.
Aber endlich.
In diesem Moment
kannst du dir selbst
nicht mehr ausweichen.
Der Schmerz ist zu groß,
um ihn noch zu übergehen.
Und zum ersten Mal
spürst du dich wieder.
Und dann kommt
dieser noch schwerere Gedanke:
Du bist allein.
Wo ist dieser Mensch,
für den du dich aufgegeben hast?
Du sitzt am Boden.
Er ist nicht da.
Und er wird es auch nicht sein.
Und genau das
blenden wir so lange aus.
Wir erklären.
Wir verstehen.
Wir entschuldigen.
Ich wusste, dass er nicht das lebt,
was ich mir wünsche.
Und ein Teil in mir
hat trotzdem gehofft.
Wir sehen Potenzial
und halten es für Realität.
Und während wir hoffen,
sitzen wir allein.
Ich bin nicht gegangen,
weil ich nicht geliebt habe.
Ich bin gegangen,
weil ich mich selbst
wieder gespürt habe.
Den Schmerz.
Die Leere.
Die Verzweiflung.
Und diese eine Frage:
Wie konnte ich mich
wieder hierhin bringen?
Lange dachte ich,
Liebe bedeutet bleiben.
Aushalten.
Tragen.
Hoffen.
Und vor allem:
noch mehr geben.
Wenn ich nicht gewählt wurde,
musste ich mich mehr anstrengen.
Nicht, weil ich schwach war.
Sondern weil ich es
so gelernt habe.
Dass Warten Liebe ist.
Dass Hoffen Stärke ist.
Dass ich funktionieren muss,
um gut genug zu sein.
Und so bin ich geblieben.
In Beziehungen,
die mich leergezogen haben.
In Hoffnungen,
die nie eingelöst wurden.
Nicht, weil ich es wollte.
Sondern weil Bleiben
sich wie Liebe angefühlt hat.
Das Verrückte ist:
Ich habe es gesehen.
Ich wusste,
dass es mir nicht guttun wird.
Mein erwachsenes Ich wusste das.
Aber mein inneres Kind nicht.
Mein Körper hat sofort reagiert.
Es hat gekribbelt.
Unruhig.
Wach.
Ich habe es für Anziehung gehalten.
Heute weiß ich:
Es war dieses Ziehen,
das ich schon kannte.
Nicht ruhig.
Nicht sicher.
Sondern intensiv.
Und genau das
hat sich für mich lange
wie Liebe angefühlt.
Ich habe gewartet.
Gehofft.
Ausgehalten.
Und mich dabei
immer weiter von mir entfernt.
Ich bin gegangen,
wenn Männer mich wirklich wollten.
Und ich bin geblieben,
wo es wehgetan hat.
Weil echte Liebe
sich falsch angefühlt hat.
Zu ruhig.
Zu sicher.
Und Schmerz?
Der war vertraut.
Wie Zuhause.
Aber irgendwann
kommt dieser Moment.
Leise.
Klar.
Und plötzlich weißt du:
Das hier kostet mich mehr,
als es mir gibt.
Und dann gehst du.
Und es fühlt sich falsch an.
Nicht, weil es falsch ist.
Sondern weil dein Körper
Bleiben kennt.
Aushalten kennt.
Hoffen kennt.
Aber Gehen?
Das ist neu.
Heute weiß ich:
Gehen ist keine Niederlage.
Gehen ist der Moment,
in dem ich mich
nicht mehr verlasse.
Ich gehe nicht,
weil ich aufgebe.
Ich gehe,
weil ich bleibe.
Bei mir.
Und vielleicht erkennst du dich darin.
In diesem Bleiben.
In diesem Aushalten.
In diesem leisen Wissen,
dass es eigentlich Zeit ist zu gehen.
Vielleicht ist es nicht Liebe,
was dich hält.
Vielleicht ist es nur das,
was du kennst.
Und vielleicht gibt es Gründe dafür –
tief verwurzelte,
die nichts mit Schwäche zu tun haben.
Darüber schreibe ich hier mehr.
